Südtirols Sellaronda: Herausforderung gemeistert

Nach Regen am Vortag und einem recht kühlen Vor-Abend zeichnete sich schon am Morgen für den gesamten Samstag, 13.08., bestes Wetter für unsere herausfordernde Tour “Sellaronda“ ab. Nach einem guten Frühstück und Vorbereitungen unserer Räder ging es dann etwas nach 10 Uhr mit einem etwas mulmigen Gefühl auf die ca. 67 km lange Strecke. 67 km ist doch nicht lang, denkt ihr euch bestimmt – dies stand auch nicht im Vordergrund – sondern die Bewältigung der Berge – mit knapp etwas mehr als 2000 Höhenmetern für uns Flachland-Rennfahrer schon eine größere Herausforderung und weitgehend Neuland.

Und es ging auch gleich richtig los – kein Einfahren oder Erwärmen – von Campitello di Fassa nach Canazei – gnadenlos lagen ortsausgangs die 17 Serpentinen (tornati) vor uns. Schön durchnumeriert – das gefällt mir ja gar nicht – das baut Stress bei mir auf (wie die sicher gut gemeinten Baustellen-Smileys auf den Autobahnen –  das brauche ich nicht).  Grundsätzlich weiß man so, wo man auf der Strecke ist. Bei 1 ist man halt oben 😉 .

Es waren gleich mal ca. 600 Höhenmeter hinauf zum Pass zum Sella-Joch zu bewältigen. Immer schön der Vorfahrtstraße folgen, sonst fährt man den Uhrzeigersinn entgegengesetzt und das wollten wir dieses mal nicht.  Frisch und munter ging es gut hinauf – man darf nicht zu schnell fahren (überpacen) – sonst kommt man später am Berg in Schwierigkeiten. Hier heißt es dann, jeder muss sein  Tempo fahren. Schnell kristallisierte sich heraus, dass die andere zwei Mitkollegen, wie vermutet, besser den Berg hinauffliegen würden. Ich bin von je an halt eher Sprinter denn Bergfahrer. Aber hier geht es halt aber auch nicht um Tempo sondern um das Bewältigen der Strecke. Und auch wenn ich als Letzter von uns Dreien oben auf dem ersten Pass –  Sella-Joch – ankam – geschafft ist geschafft und das gab noch mal einen Motivationsschub für die weiteren Passagen. Übrigens die Straßen muss man sich mit Motorrädern, Autos und Bussen teilen und das auch mit Gegenverkehr. Das muss man zusätzlich noch bedenken und für die motorisierten Mitfahren – ansonsten wird man mitgefahren und das geht dann nicht gut aus. Es war einige Mal knapp, aber es ist nichts passiert.

Nach kurzer Pause, etwas Essen.(Kohlenhydrate und Zucker) und ein paar Panoramabildern stürzten wir uns in die erste Abfahrt. Und dies brauchte anfangs schon etwas Überwindung loszulassen und nicht ins Tal zu bremsen (das würde Bremsen und Felgen nicht gut tun) sondern mit der richtigen Technik in den Kurven ins Tal tatsächlich zu fahren. Gute Mischung aus Speed, Technik und Ran-Tasten ans Limit ohne die Risiken zu vernachlässigen. Ein Sturz wäre bestimmt fatal.

Runter geht’s immer viel zu schnell, egal wie schnell man herunter fährt und der nächste Berg und der nächste Pass wartet dann schon. Und die erste Abfahrt war jetzt noch nicht das Sahnehäuppchen weder von der Technik noch von der Länge. Soviel vorab: nach 4  finalen Abfahrten an diesem Tag ist man lang noch kein Meister aber schon viel, viel besser und schneller (damit steigt aber auch das Risiko).

Unten im Tal kurz orientieren und den zweiten Anstieg beginnen – immer schön viel Trinken und auch Essen. Riegel, Gels, Powergums etc. Sonst geht man blau. Ein BRS Kollege war grundsätzlich schneller als wir zwei Verbleibenden und so bildeten wir ein Zweier-Gespann. Mit ca. 8,5 km/h ging’s es dann immer schön gleichmäßig den einfachsten Berg am heutigen Tag hinauf. Die Rampen war nicht so steil und es gab auch mal ein Flachstück und vor Allem auch nicht so lang Anstiege – kurz knackig. Dies ließ sich sehr gut fahren und brachte insgesamt gute Erholung. Auch wenn ich hier auch eins zwei Mal etwas abreißen lassen habe, da ich auf den Flachstrecken den Sprint nicht mitgemacht und Körner gespart und somit nicht auf die Tube gedrückt habe, konnte ich bis zur Pass-Spitze immer wieder aufschließen. Unser „Überflieger“ – (das war auch der, der am Morgen am Meisten gejammert hatte – schön „verarscht“- nenn ich das) – fuhr auch hier mit gutem Tempo voraus.

Oben auf dem Grödner Joch angekommen – waren wir gut 2,5 h unterwegs (nicht reine Fahrtzeit sondern Tourdauer) und ca. 25 km von 67 km gefahren. Das war eine gute Zeit (ca. 13 Uhr) um in eines der dort befindlichen Restaurants/Hütten – Frara Hütte – einzukehren. Die Sonne schien nicht allzu heiß und so platzierten wir uns auf der Terrasse mit herrlichem Panorama. Ein Treierlei von Knödeln und leckeres Sauerkraut mit Kümmel und Gewürzen landeten beim mir auf dem Teller und zur Erfrischung gabs ein alkoholfreies Weizen – zisch 🙂 .

Nach knapp 45 min und, wichtig, dem Auffüllen der Trinkflaschen ging es die zweite Abfahrt hinunter. Diese ging schon viel besser und sicherer – so mein Gefühl. Das vorherige Beschäftigen mit der Kurven-Technik hat definitiv etwas gebracht – mit Spitzen um die 52 km/h schon recht zügig.  Bei mehr Training und der nötigen Strecken-Kenntnis geht das bestimmt auch noch besser und schneller. Nicht so viel denken was passieren kann sondern Konzentrieren aufs Fahren, Strecke und Verkehr (nicht wenig) – dann geht dies ganz gut.

Ein vorausfahrendes Fahrzeug (Skoda Octavia IV) hat uns dieses Mal sowieso eher aufgehalten als das Wir den Verkehr blockiert hätten. Die Abfahrt ging wesentlich länger als die erste und führte uns wieder hinunter auf ca. 1550 m Ü.N. Insgesamt waren nach den ersten beiden Bergen ca. die Hälfte der zu erfahren 2100 Höhenmeter geschafft.

Nach der Ortsdurchfahrt Covera bogen wir dann schon in die Anfahrt auf den 3. Anstieg und Pass ein.. Es ging nun 400 Höhenmeter auf knapp 1850 m durch Alta Badia hinauf zum Camplongo Pass. Nach einem zwar kurzen, aber dafür knackigenr Erst-Anstieg. legten wir noch eine kurz Fotopause ein und dann ging’s auch schon weiter. Wieder zwar nicht so hoch, wie am ersten Berg dafür aber mit lang gestreckten, weit einsehbaren und knackigen Rampen. Wie man Bild entnehmen kann, waren auch keine flachen Stücke oder Zonen zum Ausruhen dabei – nur Treten und Treten und dabei noch die Landschaft genießen. Leider sind zwischendurch keine Bilder möglich, wenn wir nicht explizit anhalten und dies stört den Fahrt-Fluss.

Hier kam es entscheidend wieder auf gleichmäßiges Treten an, um an der Pass-Spitze anzukommen.. Gleiches Spiel einer weit voraus und wir zwei arbeiteten uns den Berg hinauf. Auch am 3. Berg waren die Kräfte bei mir noch vorhanden und es ging recht gut voran, auch wenn ich nicht mehr so frisch war, wie am Anfang. Auf diesen Pass haben wir nur eine ganz kurze Getränkepause eingelegt und weiter ging es wieder abwärts. 1400 Höhenmeter waren geschafft – d.h. aber auch es lagen noch etwas mehr als 700 vor uns.

Und ja jetzt kam noch einmal eine gesteigerte Herausforderung zum Pordoi-Joch hinauf. Die Rampen waren zwar nicht so steil wie zum Sellajoch am Anfang – nur 8% Steigung statt bis zu 11% – jedoch für den 4. Berg an diesem Tag ausreichend steil und besonders am Anfang ohne Unterbrechung durch ein Flachstück oder ähnliches. Der letzte Anstieg war auch der längste, so wie wir die Tour gefahren sind.

Und nun kam doch ein wenig der Einbruch – nach gut 3/4 des Aufstieges hinauf zum Pordoi-Joch musste ich von meinem Taktgeber abreißen lassen. Und nun waren wir in 3 Einzel-Gruppen gesprengt. Kam ich halt 10 min später oben an. Kein Problem.

Für diesen Anstieg allein habe ich 1,5 l Getränk, 2 Riegel und 1 Getränke-Gels und etliche Powergums verputzt und die Energie brauchte ich auch. Zum Schluss war ich dann nur noch im Tunnel und war total freudig, mit Adrenalin durchströmt und ein wenig auch erleichtert die Spitze erreicht und damit auch die Tour geschafft zu haben. Auch wenn noch die Abfahrt nach Campitello du Fassa noch folgen musste. Fazit an nach diesem Berg: Hier ist Luft nach oben und weiteres Training notwendig. Aber in Wiederholung: Geschafft ist geschafft. Und die Erholung kam auch schnell wieder. Übrigens 33 Tornati (Serpentinen) mussten erfahren werden, um die Spitze zu erklimmen.

Auf dem Pass war uns nun nach ein Kaffee und Kuchen und so kehrten wir in eines der Lokale “Ristorante Maria“ ein – da es dort so schön sonnig war. Das war ein Reinfall: unfreundlich, kalter Kaffee und trockener Apfel-Kuchen. Aber es steht auch fest: wahrscheinlich, Sommer wie Winter, kommen die Leute und es muss nicht um Einnahmen gebangt werden. Nur so kann man sich die schlechte Qualität erklären.

Anschließend ging’s es dann zum Fotos machen – denn der Bergpass war schon mehrfach Austragungs- und Zielort für den Giro d’Italia (zuletzt Ziel: 2001) und auch der berühmte Fausto Coppi (Spitzname il campionissimo – Meitser der Meister), der den Giro 5 mal gewinnen konnte, wurde hier mit einem Denkmal gedacht. Als Radsport-Fan muss man diese Atmosphäre einatmen und spüren – wobei die Bergpässe ziemlich überlaufen sind. Da ist nicht wirklich Ruhe sondern fröhliches Gewimmel – Wanderer/Fussgänger, Radfahrer, Motorrad- und Autofahrer und dann noch die Reisebusse. Ein Parkplatz für ein Auto ist Glückssache – da muss man früh dran sein…

Jetzt ging’s wieder zurück ins Hotel – das hieß Abfahrt von ca. 2200 m auf 1400 m ins Tal. Über 15 min Abfahrt – das war fantastisch und nun waren wir schon etwas geübter und mir ging es so, es ließ sich viel besser Fahren. In den Spitzen lagen wir dann such bei 62-65 km/h – weit von den Profis entfernt – aber für uns Laien einfach nur Fun und Spaß (ja und ohne die Risiken nicht zu vergessen) – nicht unvernünftig werden – war die Devise. Und das klappte hervorragend. Und alle sind gesund, munter und glücklich unten im Hotel Medil in Campitello di Fassa angekommen. Alle 3 hatten wir ein breites Grinsen im Gesicht :-).

Jetzt schnell frisch machen und als Ausgleichtätigkeit vom Hotel die da. 2km in den Ort Canazei laufen, um dort in einem Ristorante den Flüssigkeitsverlust auszugleichen 😉 und auch um etwas anständiges zu Essen – nach dem vielen süßen Gelumpe. Bergfahren ist bei Laien wohl eher nichts zum Gewicht verlieren, zu viele Kohlenhydrate die man braucht, um oben such heil anzukommen. Da ist eher dann die Langstrecke mit gleichmäßigen Tempo auf flachen Terrain besser.

Und übrigens: bei mir gab es einen leckeren Burger und ein leckeres Helles und viel, viel Wasser). Ein toller Tag ging dann mit den abschließenden Fußmarsch zurück ins Hotel zu Ende. Juchu die Herausforderung wurde geschafft und irgendwie, obwohl such Quälerei dabei ist, will man jetzt schon wieder mehr davon. Lasst euch überraschen.

Berlin bei Nacht

Nach einem spontanen Besuch im Biergarten mit Arbeitskollegen ging es durch das nächtliche Berlin zurück in heimische Gefilde. Quer durch die City und dieses Mal mit S-Bahn und Tram – nicht mit Taxi. es war noch nicht all zu spät und. der Abend recht lauschig.

Aber wie immer, wenn ich Öffentliche fahre – fahren die Trams nicht so, wie ich diese brauche. M5 und M6 fahren derzeit nicht über den Alex.

Somit war auch ein kleiner Spaziergang vom Alex zur Haltestelle an der Mollstraße nötig. Das entschleunigt noch etwas mehr, als die spontane Zusammenkunft heute im Biergarten. Trotz noch viel Gewusel auf Straßen, Wegen und Schienen. Mit guter Musik im Ohr vergeht alles, auch die Warte-Zeit von ca. 7 min auf die Tram, wie im Fluge.

Und in der Bahn kann man dann schöne Sozial-Studien machen – ich würde mal sagen 75% der Menschen „klotzen“ auf, lesen im und spielen an ihren Smartphones. ein paar wenige Lesen oder unterhalten sich – mal leise, mal lauter und ein paar Ausgeflippte machen “Krawall“. Also eben normal in der Großstadt also normal in Berlin.

Dann heißt es auch schon aussteigen und die letzten Meter zu Fuß gehen.